Geschichte der Stadtkapelle Amorbach

Die Ursprünge der bürgerlichen Blasmusik in Amorbach gehen auf das Jahr 1814 zurück. Offensichtlich war der damalige Stadtpfarrer Friedrich Bauer Initiator einer „Kirchen und Städtischen Music“. In dieser Kapelle, die in ihrer Besetzung der heutigen ähnelte, sind die Wurzeln unserer Stadtkapelle zu erkennen.
Die Konkurrenz war jedoch schon in dieser Zeit groß: neben der 30 Mann starken „Profikapelle“ des Fürstlich Leiningenschen Theaters existierte in diesem Jahr schon eine Musikabteilung des (damals noch hessischen) Landwehr-Bataillons (2. Bataillon des Großherzoglich Hessischen 16. Landwehr-Regiments).
Neuen Schwung bekam die bürgerliche Blasmusik durch die Verordnung über die „Belebung des Sinnes für Musik im Volke“, die 1835 von König Ludwig I. erlassen wurde. Diese Verordnung bestimmte, dass möglichst alle königlich bayerischen Landwehreinheiten eine eigene Musikkapelle bilden sollten.
Somit war man auch in Amorbach bestrebt, neben der seit 1833 geplanten Landwehrtruppe noch eine Musikkapelle zusammenzustellen.
Am 25. August 1835 (Geburtstag und Namenstag des Königs) spielte die Amorbacher Landwehrkapelle zum ersten Mal in der Öffentlichkeit. Neben zehn Landwehrpflichtigen wurde die Formation von 14 Freiwilligen unterstützt.
In den Folgejahren prägte diese Kapelle das musikalische Geschehen in Amorbach, durch kontinuierliche Ausbildung und militärische Disziplin konnte ein hoher Qualitätsstandard und eine gleichbleibende Stärke von 24 Musikern erreicht werden.
Die Heeresreform von 1868 bedeutete aber auch für das Amorbacher Landwehrbataillon das Ende. Am Silvestertag 1869 zogen die Landwehrmänner ein letztes Mal mit klingendem Spiel durch die Stadt, um vor dem Rathaus die Bataillonsfahne an den Bürgermeister zu übergeben.
Militärisch war die königlich bayerische Landwehr zwar wenig sinnvoll, in ganz Bayern wurde durch sie aber ein solider Grundstock für bürgerliche Blaskapellen gelegt.
So dauerte es auch in Amorbach nicht lange, bis sich die Musiker in verschiedenen Gruppierungen wieder zusammenfanden.
1878 schlossen sich 14 Musiker zu einer festen Kapelle zusammen, wenige Jahre später gründete auch die Freiwillige Feuerwehr eine eigene Musikkapelle.
1890 vereinigten sich diese beiden Kapellen und spielten fortan als „Feuerwehrkapelle Amorbach“.
1895 wurde schließlich aus diesen Musikern erstmals eine „Stadtkapelle“ gegründet, die Leitung sowie die Aus- und Weiterbildung der Aktiven übernahm Hauptlehrer Aquilin Illig.
Mit Beginn des 1. Weltkrieges kam der Spielbetrieb zum Erliegen, doch schon 1920 musizierte die Stadtkapelle (nur wenige Monate) wieder, ebenso wie die von Stadtpfarrer Weber ins Leben gerufene „Katholische Gesellenvereinskapelle“.  
In diesem Jahr wurde auch erstmals ein Musikverein gegründet, der sich aus Musikern der beiden Kapellen zusammensetzte.  
Die Gesellenvereinskapelle wurde am 01. April 1934 „auf höheren Befehl“ in „Stadtkapelle“ umbenannt, mit dem Kriegsbeginn 1939 kam jedoch der Spielbetrieb praktisch völlig zum Erliegen.

Eine ausführlichere Beschreibung der Geschichte der Stadtkapelle bis in diese Zeit ist nachzulesen in der Chronik von Bernhard Springer und Michael Eck (Jubiläumsfestschrift „100 Jahre Stadtkapelle Amorbach“).
Dort finden sich auch exakte Quellenangaben und ein Literaturverzeichnis zum Thema. 

Nach dem Krieg dauerte es einige Jahre, bis sich die noch lebenden Musiker wieder zusammenfanden. Im Juni 1953 bestimmte der Stadtrat, dass die sich neu gebildete Musikkapelle offiziell „Stadtkapelle“ nennen darf. Am 29.03.1954 wurde schließlich der Musikverein „Stadtkapelle“ Amorbach 1954 e.V. ins Leben gerufen. Vom 31. Juli bis 2. August des gleichen Jahres feierte der junge Verein unter seinem 1. Vorsitzenden Hans Büttner sein Gründungsfest.

Die Folgejahre waren geprägt vom Mangel an Musikern, Problemen in der Nachwuchsarbeit und häufig wechselnden Führungskräften.  
Erst als 1978 Anton Wodicka das Dirigentenamt seines verstorbenen Vaters Emil übernahm und im Jahr darauf Georg Elflein zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde, sollte eine Phase des kontinuierlichen Aufschwungs beginnen.
Musikalisch wurde die Stadtkapelle zu einem geschätzten und bis weit über die Stadt hinaus bekannten Klangkörper, der sich auf die bayerisch-böhmische Blasmusik und Bearbeitungen der klassischen Musikliteratur spezialisiert hatte.
Die Verleihung der Pro-Musica-Plakette (1979) und die Ausrichtung des Verbandsmusikfestes (1983) waren Höhepunkte im Vereinsgeschehen dieser Epoche.  
Die beiden Protagonisten dieser Phase schrieben hierbei selbst Vereinsgeschichte: Kein Dirigent leitete in Amorbach je eine Kapelle länger als Toni Wodicka (1978-1996), noch nie zuvor führte ein 1. Vorsitzender den Musikverein so lange wie Georg Elflein (1979-2002).

2002 Bernhard Springer wird zum 1. Vorsitzenden gewählt, Hubert Morawetz schwingt seit jenem Jahr den Taktstock.

2004 Das 50-jährige Bestehen des neuen Musikvereins im Rahmen eines Kreismusikfestes würdig gefeiert. Nach zwei Jahren Planung und über 1000 Stunden Arbeit war am 27.05.2004 die offizielle Einweihungsfeier des umgebauten und erweitetem Proberaums in der Aula.
Trotz Unterstützung der Stadt, war dieser Umbau auch für uns ein finanzieller Kraftakt.

2005  In diesem Jahr stand die Nachwuchssuche im Mittelpunkt. In einer groß angelegten Werbeaktion konnten etliche neue Musikanten gefunden werden, die mit großem Eifer und viel Spaß nun ein Instrument erlernen und mittlerweile als „Jugendkapelle“ auch schon ihre ersten Auftritte erfolgreich absolviert haben. Die Ausbildung erfolgt zusammen mit der Musikschule Walldürn.

2006 Seit Anfang des Jahre kamen 7 Kinder aus Reichartshausen, 1 Kind aus Walldürn sowie 8 Kinder aus Amorbach zu Jugendkapelle hinzu.

2007 Herbert Schwing wird zum 1. Vorsitzenden gewählt, Hubertus Herkert wird sein Stellvertreter. 14./15. Juli besuchten wir unsere befreundete Kapelle in Friedung am Ammersee, hier durften wir den Ehrenabend musikalisch mitgestalten. Am Sonntag spielten wir dann ein Frühschoppenkonzert auf dem heiligen Berg, Kloster Andechs.
Christian Gerling konnte als neuer Dirigent für die Jugendkapelle gewonnen werden. In November wurde ein Jugendwerbetag mit der Grundschule durchgeführt. 10 Jugendliche konnten geworben werden.

2008 Gründung der Jugendkapelle südlicher Landkreis mit 25 Jugendlichen aus Amorbach, Reichartshausen und Schneeberg, ihr Dirigent ist Christian Gerling.
Im Herbst Gründung einer Kinderkapelle mit 21 Jugendlichen aus Amorbach, Schneeberg und Watterbach/ Breitenbuch. Die Leitung der Kinderkapelle hat zunächst Hubert Morawetz.

2009 Zum Transport der Instrumente konnte ein PKW-Anhänger umgebaut und mit einer Plane versehen werden.
Christian Gerling, wird aus beruflichen Gründen, verabschiedet. Nachfolgerin, als Dirigentin für die Jugendkapelle wird Susanne Hock. Petra Stühler übernimmt die Kinderkapelle. Hubert Morawetz wird Jugendkoordinator. Für die Kapelle wurden neue Hosen und Westen angeschafft.